Zukunft gestalten – Schulen weiterentwickeln

Anfang kommender Woche starten 34.900 ABC-Schützen an den rheinland-pfälzischen Grundschulen in ihr erstes Schuljahr. Die Gesamtzahl aller Schülerinnen und Schüler an den gut 1.500 allgemeinbildenden Schulen liegt dann bei rund 418.600. Die berufsbildenden Schulen erwarten circa 123.000 Schülerinnen und Schüler. Das sind nach dem derzeitigen Stand in ganz Rheinland-Pfalz rund 4.100 Schülerinnen und Schüler mehr im Vergleich zum Stichtag der amtlichen Schulstatistik im Herbst 2015.

„Mit einer großen Zahl neu eingestellter Lehrkräfte, der gezielten Unterstützung von Schulen, der Weiterentwicklung eines Bildungsangebotes, das junge Menschen unabhängig von ihrer Herkunft bestmöglich auf das Leben nach der Schule vorbereitet und die Eltern dabei mitnimmt, starten wir in das neue Schuljahr.“ Das unterstrich Bildungsministerin Dr. Stefanie Hubig bei der heutigen Pressekonferenz zum Beginn des Schuljahres 2016/2017.

Rund 1.100 Lehrkräfte für gute Unterrichtsversorgung neu eingestellt 

„Für das aktuelle Schuljahr werden rund 1.100 junge Lehrerinnen und Lehrer neu in den rheinland-pfälzischen Schuldienst eingestellt, etwa 80 davon zum Einstellungstermin der berufsbildenden Schulen am 1. November. 270 Stellen wurden für das Schuljahr 2016/2017 neu geschaffen. Damit sichern wir an unseren Schulen weiterhin gute Rahmenbedingungen“, betonte Stefanie Hubig. Außerdem wird der Vertretungspool im 2. Schulhalbjahr um 200 Beamtenstellen auf 1.000 Vollzeitstellen ausgebaut.

„Mit den kontinuierlich hohen Einstellungszahlen können wir eine gute Unterrichtsversorgung sicherstellen und dafür sorgen, dass die Schulen gute Voraussetzungen für ein attraktives Unterrichtsangebot und für die Bewältigung der aktuellen pädagogischen Herausforderungen –  die sie mit Bravour annehmen – vorfinden“, sagte die Bildungsministerin. Sie erinnerte daran, dass die Landesregierung schon sehr frühzeitig auf Veränderungen der Schülerzahlentwicklung reagiert und ihre Personalplanungen angepasst hat. So seien in den letzten beiden Jahren bereits 680 Lehrkräfte mehr eingestellt worden, als in der mittelfristigen Personalplanung vorgesehen waren.

Bei der Personalplanung haben Bildungsministerium und Schulaufsicht die Entwicklung der Schülerzahl fest im Blick. Es wurde berücksichtigt, dass sich die Schülerzahl in den Schularten unterschiedlich darstellte und sie nach derzeitigem Stand um circa 4.100 Schülerinnen und Schüler steigt. Vergleichsmaßstab ist der Stichtag der Amtlichen Schulstatistik vom vergangenen Herbst. Eingeschult werden rund 1.000 ABC-Schützen mehr. Insgesamt besuchen rund 3.300 Schülerinnen und Schüler mehr eine allgemeinbildende und rund 800 Schülerinnen und Schüler mehr eine berufsbildende Schule. 

Die Gymnasien verzeichnen einen Rückgang um rund 2.500 Schülerinnen und Schüler, insbesondere aufgrund der doppelten Abiturjahrgänge an einigen G8GTS-Gymnasien. „Das Gymnasium bleibt nach wie vor eine zentrale Säule unseres Schulsystems. Gymnasiallehrkräfte haben in Rheinland-Pfalz unverändert gute berufliche Perspektiven“, betonte Hubig. Insgesamt wurden mehr als 270 Gymnasiallehrerinnen und -lehrer neu eingestellt. Viele davon haben eine Stelle an einer Integrierten Gesamtschule (IGS) erhalten, da dort die Schülerzahl aufgrund noch aufwachsender Schulen voraussichtlich um rund 2.300 Schülerinnen und Schüler steigt. 

Mehr als 84.000 Schülerinnen und Schüler besuchen eine Realschule plus. „Die Realschule plus ist eine durchlässige und aufstiegsorientierte Schulart mit hohem Qualitätsanspruch. Sie bereitet Jugendliche mit einem vielfältigen Angebot systematisch auf den Übergang von der Schule in den Beruf vor, ist aber auch ein hervorragendes Fundament für einen weiteren schulischen Ausbildungsweg. Diese Vorzüge wollen wir noch bekannter machen“, sagte die Ministerin und weiter: „Wie im Koalitionsvertrag verankert, unterstützen wir die Realschulen plus bei der pädagogischen Weiterentwicklung und damit bei ihrer Profilierung. Didaktische Koordinatorinnen und Koordinatoren sollen die Schulleitungen künftig entlasten und neue Impulse für die Schulentwicklung insbesondere in Bezug auf das Lernen in einer heterogenen Schülerschaft geben.“ 

Intensive Sprachförderung – Ressourcen und Unterstützungsangebote 

„Gute Deutschkenntnisse sind eine zentrale Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe und Integration. Deshalb hat die Landesregierung die Sprachförderung massiv ausgebaut und wird dies auch weiterhin nach Kräften tun. Neben einer guten Unterrichtsversorgung für alle Schülerinnen und Schüler bieten unsere Schulen intensive Unterstützung für diejenigen an, die erst kürzlich und ohne Deutschkenntnisse im Land angekommen sind. Auch andere Schülerinnen und Schüler mit Nachholbedarf in Deutsch werden gezielt unterstützt“, sagte die Ministerin und betonte: „Bei der Personalplanung wurde sichergestellt, dass natürlich alle Schülerinnen und Schüler gute Bedingungen für das Lernen und einen erfolgreichen Bildungsweg vorfinden.“ 

Für die Lehrkräfte wurde das Fort- und Weiterbildungsangebot zur Sprachförderung beim Pädagogischen Landesinstitut ausgebaut. 460 Lehrkräfte befinden sich zurzeit in Qualifizierungsmaßnahmen. Für angehende Lehrerinnen und Lehrer gibt es zudem an den Studienseminaren freiwillige Zusatzmodule in Deutsch als Zweitsprache. 

Im Zentrum des rheinland-pfälzischen Sprachförderkonzeptes stehen Deutsch-Intensivkurse für Schülerinnen und Schüler ohne Deutschkenntnisse mit einem Umfang von bis zu 20 Wochenstunden. Um eine schnelle Integration zu fördern, nehmen sie in der verbleibenden Zeit am allgemeinen Unterricht teil. Für Schülerinnen und Schüler, die bereits über Sprachkenntnisse verfügen, gibt es Deutsch-Fördermaßnahmen in einem geringeren Stundenumfang. Zusätzlich bietet das Land Schülerinnen und Schülern ohne Deutschkenntnissen Feriensprachkurse in den Volkshochschulen an. Die Zahl der Deutsch-Intensivkurse an allgemeinbildenden Schulen hat sich innerhalb eines Jahres verdreifacht – auf 467 zum Ende des letzten Schuljahres. Die Kurse besuchten rund 7.200 Schülerinnen und Schüler. 

In den berufsbildenden Schulen wurden landesweit rund 1.900 Schülerinnen und Schüler in einem der 22 schulinternen oder schulübergreifenden Deutsch-Intensivkurse oder aber in einem der 67 Berufsvorbereitungsjahre „BVJ Sprachförderung“ mit allgemeinbildendem und berufsorientierendem Unterricht gefördert.

„Sprachförderung benötigt Ressourcen. Rund 630 Vollzeitstellen waren dazu am Ende des letzten Schuljahres an allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen eingesetzt. Die rund 26,2 Millionen Euro, die wir in 2016 insgesamt in die Sprachförderung investieren, sind gut angelegt“, bilanzierte die Ministerin.

Ganz neu soll es zum Schuljahresbeginn einen Übergabebogen geben, auf dem der Sprachstand bei einem Schulwechsel in der Schülerakte festgehalten werden könne, kündigte Bildungsministerin Stefanie Hubig an. Die aufnehmende Schule erhalte damit einen raschen Überblick über den Sprachstand der jeweiligen Schülerin oder des jeweiligen Schülers. Das erleichtere den Schulen die organisatorische Planung und Förderung der Schülerinnen und Schülern im durchlässigen rheinland-pfälzischen Schulsystem. 

Gut vorbereitet ins Leben 

„Eine zukunftsorientierte Bildungspolitik hat immer das Ziel, jungen Menschen möglichst gute berufliche und persönliche Aussichten zu eröffnen“, sagte Stefanie Hubig. „Jede Schülerin und jeder Schüler soll in unserem differenzierten Schulsystem mit seinen zahlreichen Wahl- und Aufstiegsmöglichkeiten, den passenden Weg einschlagen. Dabei darf keine und keiner zurück gelassen werden. Deshalb werden wir auch das erfolgreiche Projekt ‚Keiner ohne Abschluss‘ weiterführen.“ 

Eine fundierte Berufs- und Studienwahlvorbereitung sei heute wichtiger denn je. Es geht darum, junge Menschen zu unterstützen, den für sie richtigen Weg zu finden und sie hierfür schulartunabhängig über duale Ausbildung und Studium zu informieren. Die Informationskampagne „Kompetent in eigener Sache – Zukunft läuft“ mit den Tagen der Berufs- und Studienorientierung hat sich sehr bewährt und deshalb weiterhin hohe Priorität. Sie soll zu einer festen Institution werden. Ab diesem Schuljahr stehen den Schulen beim Pädagogischen Landesinstitut Beraterinnen und Berater zur Unterstützung bei der Umsetzung zur Verfügung. 

„Wer seine Stärken kennt, findet sich leichter zurecht. Deshalb zeigen wir Schülerinnen und Schülern frühzeitig ihre persönlichen Stärken auf. Das neue Angebot zur Kompetenzfeststellung – die sogenannte Potenzialanalyse „Profil AC“ – hilft Stärken und Interessen von Schülerinnen und Schülern ab der 7. Klasse herauszufinden. Sie ermöglicht einen fundierten Start in die Berufsorientierung mit Hilfe von verschiedenen Assessment-Center-Übungen (daher Profil „AC“), Beobachtungen und Computer gestützten Tests“, sagte die Bildungsministerin. Die Potenzialanalyse werde im neuen Schuljahr an rund 70 Realschulen plus, Integrierten Gesamtschulen und Förderschulen nach landesweit einheitlichen Standards genutzt. Sie unterstütze die Berufs- und Studienorientierung, erleichtere den Lehrkräften die individuelle Förderung und biete Eltern fundierte Informationen über die Kompetenzen ihres Kindes und soll junge Menschen anregen, sich bewusst mit ihren Stärken und Neigungen auseinanderzusetzen.

„Für junge erwachsene Geflüchtete zwischen 18 und 25 Jahren, die nicht mehr schulpflichtig sind, erproben wir ab dem neuen Schuljahr ein besonderes Qualifizierungsprojekt zusammen mit den Arbeitsagenturen und Jobcenter, Kammern und Betrieben, Maßnahmenträgern von Sprachkursen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge und berufsbildenden Schulen. Wir wollen damit erreichen, dass junge erwachsene Geflüchtete durch den Besuch eines Sprach- und Integrationskurses sowie Unterricht an einer berufsbildenden Schule und Betriebspraktika einen Weg in Einstiegsqualifizierung oder in Ausbildung finden“, sagte Ministerin Hubig. In Trier und Saarburg besuchen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ab sofort die berufsbildende Schule, in Edenkoben starten sie mit dem Sprachkurs. Weitere Standorte sind geplant. 

Ein besonderes Anliegen sei ihr, bei Jungen und Mädchen gleichermaßen das Interesse an Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) nachhaltig zu wecken, nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Fachkräftesicherung. „Es gibt zur MINT-Förderung bereits viele Initiativen. Wir wollen uns mit Partnern in diesem Bereich enger vernetzen, und nach einer gemeinsamen Bestandsaufnahme erörtern, was noch getan werden kann, damit bei Kindern frühzeitig das Interesse geweckt,  mittelfristig erhalten und so langfristig Fachkräfte gesichert werden. Unser Ziel ist es, einen roten MINT-Faden entlang der Bildungskette zu entwickeln und Mädchen mitzunehmen. Dafür planen wir im Herbst einen Runden Tisch. Es gibt in diesem Bereich nach wie vor großen Bedarf und vielversprechende berufliche Perspektiven.“

Zum Rüstzeug für Schülerinnen und Schüler gehöre auch der sichere und verantwortungsvolle Umgang mit den digitalen Medien. Daher werde das Landesprogramm „Medienkompetenz macht Schule“, mit dem das Land bundesweit eine Vorreiterstellung einnehme, konsequent fortgeführt und weiterentwickelt. Erstmals machen sich zum neuen Schuljahr auch 12 Grundschulen als Pilotschulen auf den Weg, um die Entwicklung digitaler Kompetenzen der Grundschülerinnen und Grundschüler altersgerecht zu fördern. 

Bildung gemeinsam gestalten

Bildungsministerin Stefanie Hubig: „Rheinland-Pfalz verfügt über ein durchlässiges Schulsystem, in dem Schülerinnen und Schüler unabhängig von ihrer Herkunft gefördert werden. Um dies auch für die Zukunft zu sichern, wollen wir das schulische Angebot bedarfsorientiert unter Beteiligung der Schulen, Eltern und Schülerinnen und Schüler und unter Berücksichtigung der demografischen Entwicklung weitergestalten. Dazu gehört, Schulen mehr Eigenverantwortung zu übertragen. Mit dem Schulentwicklungsprojekt „Eigenverantwortung, Qualitätsmanagement und Lehr- und Lernkultur (EQuL)“ an berufsbildenden Schulen, dem Modellversuch „Mehr Selbstverantwortung an Schulen“ an allgemeinbildenden Schulen, den Fort- und Weiterbildungsbildungsbudgets für Kollegien sind hier bereits Weichen gestellt. Die Stärkung der Elternrechte bei der letzten Schulgesetzänderung zum Schuljahr 2014/2015 war ein weiterer wichtiger Schritt, dem auch die Stärkung der Mitwirkungsrechte der Schülerinnen und Schüler folgen wird. Ein Schulsystem steht nie still. Wir wollen es mit allen am Schulleben Beteiligten gestalten – im Sinne einer echten Bildungspartnerschaft.“