Unterrichtsversorgung erneut verbessert: Gute Lehr- und Lernbedingungen in Rheinland-Pfalz

Die strukturelle Unterrichtsversorgung hat sich in diesem Schuljahr erneut verbessert, das zeigen die Zahlen der aktuellen Schulstatistik. „Wir freuen uns sehr, dass wir die Unterrichtsversorgung des vergangenen Jahres an den allgemeinbildenden Schulen steigern und sehr viele Schulen in diesem Jahr noch besser mit Unterrichtsstunden versorgen konnten“, betonte Bildungsministerin Dr. Stefanie Hubig heute in Mainz.

„Die strukturelle Unterrichtsversorgung umfasst die Stunden für den Pflichtunterricht, aber auch für zusätzliche Förder- und Differenzierungsangebote sowie zahlreiche Arbeitsgemeinschaften. Deshalb können die Schulen grundsätzlich auch dann den Pflichtunterricht vollständig abdecken, wenn der Versorgungsgrad unter 100 Prozent liegt“, erklärte die Bildungsministerin. 

Unterrichtsversorgung nach Schularten

Die konstant beste strukturelle Unterrichtsversorgung verzeichnen die Grundschulen mit einem Versorgungsgrad von 99,4 Prozent. „Die Grundschulen haben eine wichtige Rolle, weil sie grundlegende Kompetenzen vermitteln und unsere Schülerinnen und Schüler auf die weiterführenden Schulen vorbereiten. Mit diesem sehr guten Versorgungswert und den bundesweit kleinsten Klassen schaffen wir dafür wichtige Voraussetzungen“, unterstrich Hubig. Die Unterrichtsversorgung an den Realschulen plus konnte noch einmal verbessert werden, hier wurde mit 99,1 Prozent ein sehr guter Wert erzielt.

Auch die Integrierten Gesamtschulen und die Gymnasien haben sich bei der strukturellen Unterrichtsversorgung deutlich verbessert. Die Gymnasien des Landes erreichen in diesem Jahr einen Versorgungsgrad von 98,9 Prozent, die Integrierten Gesamtschulen von 98,6 Prozent. Leider hat sich die Unterrichtsversorgung an den Förderschulen im Vergleich zum Vorjahr verschlechtert. „Überall in Deutschland werden Förderschullehrerinnen und -lehrer gesucht. Die Versorgung von 95,1 Prozent am Stichtag konnte durch weitere Personalmaßnahmen mittlerweile auf 96,1 Prozent verbessert werden. Darüber hinaus hat die Schulaufsicht 28 Förderschullehrkräften ein schriftliches Angebot gemacht, sie ab Februar 2018 einzustellen. Damit werden wir die Unterrichtsversorgung an Förderschulen weiter verbessern. Das ist uns ein wichtiges Anliegen“, sagte die Ministerin. 

„Insgesamt erreichen wir in diesem Jahr eine sehr gute strukturelle Unterrichtsversorgung. Mit einem Versorgungsgrad von 98,6 Prozent (98,5% im Schuljahr 2016/2017) sind unsere allgemeinbildenden Schulen im Schuljahr 2017/2018 dabei so ausgestattet, dass sie die Kinder und Jugendlichen bestmöglich auf das Leben nach der Schule vorbereiten können. Rechnet man die zwischenzeitlichen Verbesserungen an den Förderschulen ein, kämen wir sogar auf eine Unterrichtsversorgung von 98,7 Prozent“, sagte Hubig. 

Temporärer Unterrichtsausfall und Modellprojekt in Mainz, Koblenz und Ludwigshafen

Die Daten zur strukturellen Unterrichtsversorgung wurden am 31. August 2017, dem Statistikstichtag, erhoben. Diese Zahlen zeigen, ob die Lehrerwochenstunden, die sich für eine Schule errechnen (Soll-Wert) den zugewiesenen Stunden (Ist-Wert) entsprechen. Die strukturelle Unterrichtsversorgung umfasst nicht den temporären Ausfall von Unterricht, der durch kurzfristige Ausfälle von Lehrerinnen und Lehrern verursacht wird. Diese Daten werden gesondert erhoben und veröffentlicht. 

„Wir wollen natürlich auch den temporären Unterrichtsausfall reduzieren, er ist für Eltern und Kinder besonders spürbar. Dazu gibt es bereits eine ganze Reihe von Maßnahmen, wie beispielsweise den Einsatz von Feuerwehrlehrkräften an Grundschulen, den wir effektiver gestalten wollen. Dazu startet im Schuljahr 2018/2019 ein Modellprojekt an Grundschulen in Mainz, Koblenz und Ludwigshafen“, kündigte die Bildungsministerin an. Ziel sei, den Schulen bei kurzfristigen Vertretungsfällen mehr Handlungsspielraum zu geben. Sollten sich diese Projekte bewähren, werde eine Ausweitung auf andere Städte und Regionen geprüft. 

Schülerzahlen gehen zurück – Grundschulen mit moderatem Zuwachs

Insgesamt sind die Schülerzahlen zum Schuljahr 2017/18 an allgemeinbildenden Schulen (inkl. Fachoberschulen) auf 413.467 gesunken. Im vergangenen Schuljahr waren es noch 417.275 Schülerinnen und Schüler. Das entspricht einem Rückgang von rund 3.800 Schülerinnen und Schülern (-0,9%). An den Grundschulen verzeichnet die Statistik dagegen einen Zuwachs (+0,7%). Hier steigen die Schülerzahlen um knapp 1.000 Schülerinnen und Schüler im Vergleich zum Vorjahr. Den aktuellen Prognosen zufolge wird die Schülerzahl an allen rheinland-pfälzischen Schulen insgesamt noch bis 2021 zurückgehen, danach wieder leicht ansteigen. 

Maßnahmen zur Nachwuchssicherung – 952 Planstellen vergeben

Rheinland-Pfalz zeichnet sich durch seine kontinuierliche Lehrkräfteeinstellungs- und -ausbildungspolitik aus. Dadurch haben junge Lehrerinnen und Lehrer gute berufliche Perspektiven und Rheinland-Pfalz eines der jüngsten Lehrerkollegien im Bundesschnitt. 952 Lehrerinnen und Lehrer wurden in diesem Schuljahr an allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen eingestellt. Weitere Einstellungen erfolgen zum Schulhalbjahr. 

„Wir sind froh, dass wir – anders als andere Bundesländer – alle Planstellen an Grundschulen besetzen konnten. Wir sehen allerdings auch, dass wir weitere Maßnahmen ergreifen müssen, um unseren Lehrkräftebedarf nachhaltig und in Zukunft decken zu können. Dazu gehören die Flexibilisierung des Einstellungsverfahrens, die Fort- und Weiterbildung von Lehrkräften anderer Schularten, die an Grundschulen zum Einsatz kommen, sowie die gezielte Werbung für das Lehramt an Förderschulen, Grundschulen und für Bedarfsfächer“, betonte die Ministerin. Ein weiterer zentraler Baustein sei der Ausbau des Vertretungspools. „Den Vertretungspool hatten wir bereits im Vorjahr von 800 auf 1.000 Planstellen ausgebaut. Schrittweise werden wir ihn um rund 350 Stellen erweitern. Die ersten 100 Stellen werden ab Januar 2018 ausschließlich den Grundschulen zur Verfügung stehen. Damit können voll ausgebildete verbeamtete Lehrerinnen und Lehrer längerfristige Vertretungseinsätze übernehmen. Die Schulen sowie die Lehrerinnen und Lehrer erhalten so Planungssicherheit“, erläuterte Hubig.

Auch künftig viele Handlungsfelder

Rheinland-pfälzische Bildungspolitik steht für Chancengerechtigkeit und hohe Bildungsqualität. „Dazu gehört natürlich die Beitragsfreiheit, die die gebührenfreie Bildung von der Kita bis zur Hochschule garantiert. Darüber hinaus“, sagte Hubig, „müssen wir unsere Schulen, vor allem aber unsere Schülerinnen und Schüler sowie die Lehrkräfte fit für die digitale Zukunft machen. Das gelingt hervorragend mit dem Landesprogramm ‚Medienkompetenz macht Schule’. Wie erfolgreich wir darin sind, belegt die erst kürzlich erschienene Studie der Telekom-Stiftung. Rheinland-Pfalz ist hier zum dritten Mal in Folge in der Spitzengruppe.“ Als weitere Schwerpunkte nannte die Ministerin die Berufs- und Studienorientierung sowie die MINT-Initiative: „Unsere Bildungspolitik ist umfassend, sie beginnt in den Kindertagesstätten mit der Sprachförderung und geht über Leseförderung und die gezielte Förderung der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer bis hin zu speziellen Programmen für begabte und hochbegabte Schülerinnen und Schüler ebenso wie sonderpädagogische Unterstützungsangebote für Kinder und Jugendliche mit Lernschwierigkeiten und Behinderungen.“ In Rheinland-Pfalz hängt der Bildungserfolg dabei deutlich weniger von der Herkunft ab als in anderen Bundesländern, so der aktuelle Bildungsmonitor 2017. „Dennoch müssen wir uns weiter anstrengen, dass alle Kinder die gleichen Chancen haben“, so die Ministerin. 

Abschließend dankte Stefanie Hubig allen Lehrkräften für ihr großes Engagement und hob den konstruktiven Dialog mit den Schulen, den Eltern sowie den Verbänden hervor: „Wir führen viele Gespräche mit allen an Schule Beteiligten. Auch wenn Wunsch und Wirklichkeit nicht immer deckungsgleich sind, so sind wir doch sehr dankbar, dass wir in Rheinland-Pfalz gemeinsam daran arbeiten, unseren Schülerinnen und Schülern beste Unterrichtsbedingungen zu ermöglichen. Deshalb streben wir auch weiterhin die hundertprozentige Unterrichtsversorgung an.“

Ergänzende Information:

Die Auswertungen zur strukturellen Unterrichtsversorgung an berufsbildenden Schulen liegen erst zu einem späteren Zeitpunkt vor, da viele Auszubildende ihre Ausbildung erst nach Schuljahresbeginn aufnehmen.

Weitere Hintergrundinformationen zur Unterrichtsversorgung finden Sie im Internet unter: www.unterrichtsversorgung.rlp.de.