Erneut sehr gute Unterrichtsversorgung – trotz der Herausforderungen des vergangenen Jahres

Das vergangene Jahr war auch in Rheinland-Pfalz aufgrund der Zuwanderung in vielerlei Hinsicht mit großen Herausforderungen verbunden. Das galt und gilt vor allem für den schulischen Bereich. „Wir sind sehr froh, dass wir die gute Unterrichtsversorgung des vergangenen Jahres an den allgemeinbildenden Schulen wieder erreichen und – so zeichnet es sich ab – an den berufsbildenden Schulen sogar noch besser werden konnten. Das war angesichts aller Unwägbarkeiten und der unplanbaren Veränderungen keine leichte Aufgabe – und es ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit“, betonte Bildungsministerin Dr. Stefanie Hubig heute in Mainz.

Neben der Integration der Kinder und Jugendlichen, die neu nach Rheinland-Pfalz gekommen sind, gilt es, die Schulen fit für die Zukunft zu machen, allen gleich gute Bildungschancen zu ermöglichen und für hohe Unterrichtsqualität zu sorgen. „Deshalb setzen wir in Rheinland-Pfalz wie in kaum einem anderen Bundesland auf gebührenfreie Bildung von der KiTa bis zur Hochschule. Mit Schwerpunkten in der Berufs- und Studienorientierung und der digitalen Bildung bereiten wir die Schülerinnen und Schüler gezielt auf die Zukunft vor“, so Hubig. Die Ausweitung des Landesprogramms „Medienkompetenz macht Schule“ – mit dem Rheinland-Pfalz bundesweit eine Vorreiterrolle einnimmt – auf die Grundschulen, zeigt wie ernst die Landesregierung die digitale Bildung nimmt.

„Genauso wichtig ist es uns, Schülerinnen und Schülern gute Lernvoraussetzungen zu bieten, den Lehrkräften gute Arbeitsbedingungen, und gleichzeitig das pädagogische Angebot weiterzuentwickeln. Voraussetzung dafür ist die Unterrichtsversorgung. Mit einem Versorgungsgrad von 98,5 Prozent sind unsere allgemeinbildenden Schulen im Schuljahr 2016/2017 so ausgestattet, dass sie den jungen Menschen das Rüstzeug für ihren weiteren Weg mitgeben können. Neben dem Pflichtunterricht können mit dieser Versorgung zusätzliche Förder- und Differenzierungsangebote gemacht werden“, unterstrich die Ministerin. 

Unterrichtsversorgung nach Schularten

Die beste Unterrichtsversorgung verzeichnen die Grundschulen mit einem Versorgungsgrad von 99,4 Prozent. „Die Grundschulen legen die Grundlage für den gesamten weiteren Bildungsweg aller Kinder. Dafür schaffen wir mit der besten Unterrichtsversorgung aller Schularten und kleinen Klassen wichtige Voraussetzungen“, so Hubig. An den Realschulen plus wurde mit 98,8 Prozent erneut ein sehr guter Versorgungswert erzielt. „Zusammen mit den Grundschulen leisten die Realschulen plus einen Großteil der Integrationsarbeit, umso wichtiger ist es, die individuelle Förderung der Schülerinnen und Schüler in diesen Schularten durch eine gute Personalausstattung zu unterstützen“, sagte die Bildungsministerin.

Auch die Gymnasien bleiben sehr gut versorgt. Der Versorgungsgrad von 98,6 Prozent ist der zweithöchste Wert seit 1993. Die Integrierten Gesamtschulen verzeichnen eine Unterrichtsversorgung von 98,1 Prozent. Die Unterrichtsversorgung in den Förderschulen lag zum Statistikstichtag Mitte September bei 96 Prozent. Durch weitere Maßnahmen seitdem hat sie sich auf 96,6 Prozent verbessert. Zusätzliche Förderschullehrkräfte werden zum 1. Februar 2017 eingestellt, sobald sie ihre Ausbildung Ende Januar abgeschlossen haben. 

Gute Voraussetzungen für die pädagogische Arbeit in den Schulen würden auch durch die kleinen Klassengrößen geschaffen, unterstrich Stefanie Hubig. Diese liegen deutlich unter den jeweiligen Klassenmesszahlen. 

Schülerzahl an Grundschulen und IGS gestiegen – insgesamt stabil geblieben

Die Schülerzahlprognosen waren für dieses Schuljahr besonders schwierig, da aufgrund des nicht vorhersagbaren Umfangs der Zuwanderung die bewährten Prognosemodelle nicht greifen konnten. Die Prognosen wurden deshalb durch regelmäßige Abfragen bei Schulen und Schulaufsicht ergänzt und trotzdem blieben erhebliche Unsicherheiten. Dennoch weichen die tatsächlichen Zahlen nur 0,8 Prozent von den prognostizierten Planungszahlen ab. 

Die Schülerzahl in den rund 1.500 allgemeinbildenden Schulen ist erstmals seit über zehn Jahren stabil geblieben. Vom Schuljahr 2014/2015 zum letzten Schuljahr war die Schülerzahl an allgemeinbildenden Schulen (inklusive Fachoberschulen) noch um rund 2.700 gesunken, im Jahr davor um fast das Doppelte, nämlich um mehr als 4.800 Schülerinnen und Schüler. Nach den vorläufigen Ergebnissen der amtlichen Schulstatistik besuchen im aktuellen Schuljahr rund 417.300 Schülerinnen und Schüler eine allgemeinbildende Schule (inklusive Fachoberschulen) im Land, so die Ministerin. Die Entwicklung an den Schularten stellt sich unterschiedlich dar: Die Grundschulen haben rund 2.900 Kinder, die noch aufwachsenden Integrierten Gesamtschulen rund 2.400 Jugendliche mehr aufgenommen als im letzten Schuljahr. Die Gymnasien verzeichnen hingegen rund 3.100 Schülerinnen und Schüler weniger, die Realschulen plus rund 2.400 Schülerinnen und Schüler. 

Rund 1.200 Lehrerinnen und Lehrer haben Planstelle erhalten

Rheinland-Pfalz zeichnet sich durch seine kontinuierliche Lehrkräfteeinstellungs- und -ausbildungspolitik aus. Dadurch haben junge Lehrerinnen und Lehrer gute berufliche Perspektiven und der Lehrkräftebedarf wird gesichert. 1.155 Lehrerinnen und Lehrer wurden in diesem Schuljahr an allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen eingestellt. 

270 Stellen wurden neu geschaffen. Sie kommen allen Schularten zugute und dienen dazu, die Unterrichtsversorgung zu sichern und das pädagogische Angebot weiterzuentwickeln. So sind 16 neue Oberstufen an den noch aufwachsenden Integrierten Gesamtschulen gestartet. Darüber hinaus wurden die Ganztagsschulen, die Inklusion und die Sprachförderung ausgebaut.

Zum 1. Februar 2017 wird außerdem der Vertretungspool um 200 weitere Beamtenstellen aufgestockt, auf dann insgesamt 1.000 Vollzeit-Planstellen. „Das erhöht die Planungssicherheit der Schulen und schafft gute und langfristige Beschäftigungsverhältnisse für junge Lehrkräfte“, so Hubig.

Sprachförderung weiter ausgebaut 

Im Rahmen der amtlichen Schulstatistik wurden auch die aktuellen Daten zur Sprachförderung an den allgemeinbildenden Schulen erhoben. 

  • Die allgemeinbildenden Schulen bieten 565 Deutsch-Intensivkurse mit einem Umfang von mindestens 10 und bis zu 20 Wochenstunden an, die von rund 8.500 Schülerinnen und Schülern ohne Deutschkenntnisse besucht werden. Im Vergleich zur Herbststatistik 2015 sind das 268 Kurse und rund 4.300 Schülerinnen und Schüler mehr.
  • Für Schülerinnen und Schüler, die bereits über Sprachkenntnisse verfügen, gibt es Deutsch-Fördermaßnahmen in einem geringeren Stundenumfang. Insgesamt kommen die Deutsch-Förderangebote rund 24.700 Schülerinnen und Schülern zugute – 8.200 mehr als vor einem Jahr. 
  • Die in den allgemeinbildenden Schulen für die Sprachförderung eingesetzten Lehrerwochenstunden entsprechen umgerechnet fast 570 Vollzeitstellen – 170 Stellen mehr als im Herbst 2015. 

Abschließend fasste Bildungsministerin Dr. Stefanie Hubig zusammen: „Die gute Unterrichtsversorgung trotz aller Unwägbarkeiten zu halten, ist ein wichtiges Etappenziel auf dem Weg zur 100-prozentigen Versorgung, die wir bis Ende der Legislaturperiode erreichen wollen. Rheinland-Pfalz ist und bleibt Bildungsland.“ 

Ergänzende Information

Die Zahlen zur strukturellen Unterrichtsversorgung der berufsbildenden Schulen werden später erhoben als die Zahlen für die allgemeinbildenden Schulen, da viele Auszubildende ihre Ausbildung nach Schuljahresbeginn aufnehmen. Die Auswertungen liegen daher erst Ende Dezember vor.

Die endgültigen Ergebnisse der amtlichen Schulstatistik werden nach derzeitigem Stand Anfang des Jahres 2017 vom Statistischen Landesamt veröffentlicht.

Die Angaben zur strukturellen Unterrichtsversorgung (Soll-Ist-Differenz) umfassen in Rheinland-Pfalz den Pflichtunterricht und darüber hinaus Wahl- und Differenzierungsangebote (z. B. Chor, Förderkurse). Das bedeutet, dass die Schulen auch mit einem Versorgungsgrad von unter 100 Prozent den Pflichtunterricht vollständig abdecken können. Diese Berechnungsmethode ist nur schwer nachvollziehbar und hat deshalb immer wieder für Kritik gesorgt. Um hier für mehr Klarheit zu sorgen, haben die Regierungsparteien deshalb im Koalitionsvertrag vereinbart, in dieser Legislaturperiode das bisherige System der Personalversorgung im Dialog mit den am Schulleben Beteiligten transparenter zu machen. Mehr Hintergrundinformationen zur Unterrichtsversorgung finden sich im Internet unter: www.unterrichtsversorgung.rlp.de.