Entschiedenes Handeln ist eine Verpflichtung – Fachtagung in Mainz befasst sich mit dem Antisemitismus als Herausforderung für die Politische Bildung

„Antisemitismus darf in unserer Gesellschaft nie wieder Platz finden. Wir müssen deshalb jedem Auftreten von Antisemitismus entschieden entgegentreten. Deshalb bauen wir in Rheinland-Pfalz die Präventionsarbeit aus und stärken die politische Bildung, insbesondere in den Schulen. Mir persönlich ist es wichtig, dass Menschen jüdischen Glaubens ohne Angst und Sorge in unserem Bundesland leben können. Deshalb hat die Landesregierung einen Beauftragten für jüdisches Leben und Antisemitismusfragen berufen und deshalb unterstütze ich als Schirmherrin die Fachtagung „Antisemitismus als Herausforderung für die Politische Bildung“, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer anlässlich der Fachtagung „Antisemitismus als Herausforderung für die Politische Bildung“ in Mainz.

 

Veranstalter der Tagung sind die Deutsche Vereinigung für politische Bildung, das Erziehungswissenschaftliche Fort- und Weiterbildungsinstitut sowie die Landeszentrale für politische Bildung und das rheinland-pfälzische Bildungsministerium. Dr. Stefanie Hubig, Bildungsministerin, betonte in ihrem Grußwort zum Auftakt der Fachtagung, den Stellenwert der Bildung, um eine Gesellschaft stark gegen Antisemitismus zu machen. Die Fachtagung böte dabei ein wichtiges Forum zum Austausch der in der Bildungsarbeit auf unterschiedlichen Ebenen aktiven Akteurinnen und Akteure. „Das Engagement für unsere demokratische Gesellschaft und gegen jede Form eines alten oder neuen Antisemitismus gehören für mich untrennbar zusammen. Der Holocaust ist der lange Schatten, der über unserer Geschichte liegt und der uns für alle Zeit Auftrag sein muss und sein wird: zu erinnern und nie wieder zuzulassen. Wir müssen unsere demokratischen Grundwerte kompromisslos verteidigen, aktiv leben und entschlossen stärken. Da braucht es vor allem eines: Bildung. Um das zu gewährleisten, machen wir unsere Schulen in Rheinland-Pfalz noch stärker. Wir wollen, dass alle Schülerinnen und Schüler im Laufe ihrer Schulzeit wenigstens einmal einen Ort des Erinnerns besuchen oder in Kontakt mit den Berichten von Zeitzeugen kommen. Außerdem machen wir es verbindlich, dass alle angehenden Lehrkräfte künftig eine Gedenkstätte besuchen werden, stärken die entsprechenden Fortbildungsangebote und stellen neue Unterrichtsmaterialien zur Verfügung. Durch mehr Sozialkunde-Stunden wollen wir es zusätzlich ermöglichen, dass an unseren Schulen mehr Zeit bleibt, für das Lernen und Lehren über unsere wertvollsten gesellschaftlichen Güter: Demokratie, Frieden, Menschenwürde. 50 Stellen für neue Sozialkunde-Lehrkräfte und rund 4 Millionen Euro stellen wir für unser Maßnahmenpaket zusätzlich zur Verfügung",  so Ministerin Hubig.

Als erstes Land in der Bundesrepublik hat Rheinland-Pfalz einen Beauftragten für jüdisches Leben und Antisemitismusfragen ernannt. Das betont den hervorgehobenen Stellenwert des Themas für die Landesregierung: „Ich bin Ansprechpartner für alle Rheinland-Pfälzerinnen und Rheinland-Pfälzer jüdischen Glaubens und sehe mich als Bindeglied zwischen der Landesregierung und den jüdischen Gemeinden. Einen wichtigen Teil meiner Arbeit nimmt die Bekämpfung und Prävention von Antisemitismus ein. Solch eine Fachtagung unterstützt unsere Arbeit und leistet einen wichtigen Beitrag“, sagte der Antisemitismusbeauftragte Dieter Burgard.

Unter der Überschrift „Demokratie macht Schule“ hat die Bildungsministerin vor im Rahmen einer Regierungserklärung ein konkretes Maßnahmenpaket zur Stärkung des Erinnerns und der Demokratie an Schulen vorgestellt. Viele der Maßnahmen sind ganz unmittelbar mit Partnerinnen und Partnern aus Zivilgesellschaft und politischer Bildung vereinbart. Das gesamtgesellschaftliche Engagement für Toleranz und Demokratie und gegen Hass, Ausgrenzung und Antisemitismus gelingt in Rheinland-Pfalz: „Der Antisemitismus ist nicht nur eine Sache der Juden, sondern von uns allen. Und da ist nicht nur Haltung, sondern auch Hinsehen und Handeln gefragt. Judenfeindschaft und Hetze existiert nicht nur an den Rändern, sie existieren auch in der Mitte der Gesellschaft. Wir dürfen nicht eine zunehmende Normalisierung von Judenhass zulassen, weder als Demokratie noch als Einzelner, weder im Internet noch in der realen Welt. Jeder Antisemit ist im Grunde ein Feind der Demokratie“,  erklärt Bernhard Kukatzki, Direktor der Landeszentrale für politische Bildung.

Michael Sauer, Landesvorsitzender der Deutschen Vereinigung für Politische Bildung, betonte dazu: „Wir müssen die Bekämpfung von Antisemitismus und Prävention zusammen mit Bildungsangeboten denken. Hierfür ist es essentiell, dass die Lehrerinnen und Lehrer aber auch die außerschulischen Multiplikatoren die verschiedenen aktuellen Erscheinungsformen von Antisemitismus zunächst erkennen. Dann brauchen sie gute Strategien, wie sie in ihrer alltäglichen praktischen Arbeit damit umgehen können. Dies ist eine große Herausforderung und auch langfristige Aufgabe, denn Antisemitismus ist mittlerweile Teil einer bestimmten Jugendkultur, er breitet sich über soziale Netzwerke aus und ist auch in der Alltagssprache zu finden.“