Rheinland-Pfalz verstärkt Zusammenarbeit mit Partnerland Ruanda im Bildungsbereich

Rund 6.150 Kilometer liegen zwischen der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt Mainz und Kigali, der Hauptstadt des ostafrikanischen Staats Ruanda. Trotz der Entfernung verbindet die beiden Länder eine seit 37 Jahren andauernde gute Partnerschaft, die geprägt ist von regem Austausch, Freundschaft und Zusammenarbeit. Vom 5. bis 13. Oktober besucht eine Delegation unter der Leitung von Bildungsministerin Dr. Stefanie Hubig und Innenstaatssekretär Randolf Stich das Partnerland, um die Zusammenarbeit insbesondere im Bildungsbereich noch weiter zu verstärken.

„Unsere Reise steht unter dem Motto ‚Gute Partner – gute Bildung‘“, sagte Ministerin Hubig im Vorfeld und betonte: „Bereits heute gibt es mehr als 220 Schulpartnerschaften zwischen Rheinland-Pfalz und Ruanda. Das können wir in Zukunft – insbesondere in Zeiten der Digitalisierung – weiter ausbauen. Auch in den Bereichen Lehrerausbildung sowie Gedenkarbeit und frühkindliche Bildung wollen wir stärker kooperieren.“ Dazu trifft die Ministerin während ihrer einwöchigen Reise den Bildungsminister des Landes, Dr. Eugene Mutimura, sowie Dr. Irénée Ndayjambaje, Generaldirektor des „Rwanda Education Boards“, dem ruandischen Pendant des Pädagogischen Landesinstituts (PL).

Beim Besuch der Genozid Gedenkstätte Gisozi wird es auch um Gedenkarbeit an Schulen gehen. Ein Thema, das in Ruanda – 25 Jahre nach dem Völkermord 1994 – fest zur schulischen Bildung gehört: „Die Zukunft braucht das Erinnern. Die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit gehört deshalb zum Demokratielernen dazu. Vor dem Hintergrund unserer Geschichte haben wir in Deutschland eine besondere Verantwortung, jungen Menschen die Möglichkeit dafür zu geben. In Rheinland-Pfalz stärken wir die Gedenkarbeit, in dem wir festlegen, dass jede Schülerin und jeder Schüler einmal im Schulleben eine Gedenkstätte besucht oder mit Zeitzeugen Kontakt haben soll“, so Hubig.

Darüber hinaus stehen Schulpartnerschaften und deren Ausbau im Fokus der Delegationsreise. So wird die Bildungsministerin das e-Twinning-Projekt „Freundschaft grenzenlos!“ am Gahima Schulzentrum im Ngoma Distrikt im Osten des Landes offiziell starten. Das Zentrum, das einen Kindergarten, eine Grund- und eine weiterführende Schule beheimatet, wird sich künftig digital mit der Kita und der Grundschule Trierweiler und der Realschule plus Nelson Mandela in Trier austauschen. „Die Digitalisierung macht es möglich, dass Kinder, die tausende Kilometer voneinander entfernt sind, sich problemlos sehen und miteinander kommunizieren können. Sie lernen einen anderen Kontinent, eine andere Kultur kennen, und das, ohne eine lange Flugreise antreten zu müssen“, erklärte die Bildungsministerin.

Auch die frühkindliche Bildung wird Thema der Delegationsreise sein. So wird die Bildungsministerin ein Zentrum zur frühkindlichen Bildung in Kirehe einweihen, das vom Landkreis Mainz-Bingen und dem rheinland-pfälzischen Innenministerium gefördert wurde. „Mit diesem Projekt möchten wir dazu beitragen, die körperliche und geistige Entwicklung der Kleinkinder zu fördern, z.B. durch eine bessere Ernährung oder die Verbesserung ihrer kognitiven Fähigkeiten", so Staatssekretär Stich.

Klimapolitik und Nachhaltigkeit werden Themen sein, die die Ministerin mit Schülerinnen und Schülern des ruandischen Lycées de Rusarita und Schülerinnen und Schülern des Mainzer Frauenlob-Gymnasiums diskutiert, die gerade ihre Partnerschule in Ruanda besuchen. „Klimaschutz ist ein weltweit diskutiertes Thema. Wir müssen jetzt die Weichen dafür stellen, dass unsere Enkelkinder eine Welt vorfinden, die lebenswert ist. Deshalb habe ich in Rheinland-Pfalz gemeinsam mit der Landesschüler*Innenvertretung den Runden Tisch ‚Schule. Nachhaltig. Gestalten.‘ ins Leben gerufen. Wir müssen dort anfangen etwas zu ändern, wo wir Einfluss haben. Da ist Schule genau der richtige Ort dafür“, sagte Bildungsministerin Dr. Stefanie Hubig.

Beim Besuch einer Schule für Gehörlose wird sich die Delegation ein Bild von der Situation hörgeschädigter Schülerinnen und Schüler machen. Das „Centre des Jeunes Sourdes et Muets“ kooperiert mit der Landesschule für Gehörlose und Schwerhörige in Neuwied. Gemeinsam will man die Arbeit der ruandischen Schule weiter begleiten und die Situation der Schülerinnen und Schüler, die oftmals nicht über die technischen Hilfsmittel zur Hörverbesserung verfügen, stärken.

„Eine Partnerschaft lebt davon, dass man miteinander spricht, voneinander lernt und sich gegenseitig hilft. Wenn wir dies mit unserer Reise erreichen, dann profitieren beide Seiten, Rheinland-Pfalz und Ruanda, enorm“, sagte Hubig abschließend.