Repräsentative Umfrage unter Schulleitungen in Rheinland-Pfalz: Wertvolle Erkenntnisse für die Digitalisierung heute und morgen

Vor dem Hintergrund der Schulschließungen hat das Pädagogische Landesinstitut im April 2020 eine Umfrage unter allen Schulleitungen in Rheinland-Pfalz gestartet, um Informationen über die Umsetzung des Fernlernens zu erheben, die Belastung der Schulleiterteams zu erfassen und individuelle Unterstützungsbedarfe zu erfragen. Rund 1.200 der insgesamt 1.600 Schulen haben geantwortet.

„Ich bedanke mich herzlich bei allen, die diese Befragung entworfen, durchgeführt und durch ihre Teilnahme zu einem Erfolg geführt haben. Wir können damit auf wissenschaftlich fundierter Basis Daten liefern, von denen auch andere Länder profitieren, die derzeit ja alle vor ähnlichen Herausforderungen stehen. Mit einer so breiten Beteiligung sticht unsere Studie deutlich unter den vielen Befragungen hervor, die derzeit erstellt werden“, sagte Bildungsministerin Dr. Stefanie Hubig.

„Das Infektionsgeschehen bleibt die Richtschnur, an der sich alle gesellschaftlichen Bereiche in den nächsten Wochen – und vielleicht Monaten – orientieren müssen. Auch wenn alle deshalb auf Sicht fahren, weiten wir im Bildungsbereich den Blick. Wir arbeiten intensiv an allen Szenarien und wollen möglichst viel und möglichst frühzeitig Planungssicherheit für Schulen, Eltern und Kinder. Im Vordergrund steht jetzt die Frage: Wie geht es nach den Sommerferien weiter? Wir wollen mehr Einheitlichkeit und mehr Verbindlichkeit: Wir konkretisieren dazu den Rahmen, um den Schulen Sicherheit zu geben. Gleichzeitig ist klar, dass jede Schule anders ist und deshalb weiter Flexibilität haben muss und auch bekommt. Der Fernunterricht wird uns weiter begleiten. Des-halb arbeiten wir am digitalen Lernen und Lehren weiter sehr intensiv und stärken die drei Säulen Infrastruktur, Endgeräte und Didaktik. Vieles haben wir schon auf den Weg gebracht, wie die ständig aktualisierten Handlungsempfehlungen des Pädagogischen Landesinstituts, die Ausleihe digitaler Endgeräte an Schülerinnen und Schüler, die Mittel aus dem DigitalPakt Schule für digitale Infrastruktur und Endgeräte, mehr Bandbreite und Serverkapazitäten im Land und das für alle Schulen kostenfreie Videokonferenzsystem. Und für heute habe ich noch die gute Nachricht, dass es dem Landesamt für Soziales, Jugend, Versorgung gelungen ist, trotz angespannter Marktlage, nicht nur für die Schülerinnen und Schülern, sondern auch für alle Lehrkräfte eine wiederverwendbare Alltagsmaske zu beschaffen“, so Hubig weiter.

Mit Hilfe der Rückmeldungen aus der Umfrage können nun zusätzliche Maßnahmen geplant und bestehende Unterstützungsangebote angepasst und weiterentwickelt werden.

„Die Schulleitungsbefragung ist auch deshalb so wertvoll für uns, weil wir jetzt – unter den Bedingungen eines Stresstests – Erfahrungen sammeln, von denen wir auch langfristig bei der Digitalisierung der Schule profitieren werden“, ergänzte Hubig, die gemeinsam mit Schulleitungen und der Studienleiterin und PL-Direktorin Dr. Birgit Pikowsky die Befragungs-Ergebnisse heute in Mainz vorstellte.

„Mein ganz persönlicher Dank gilt den Schulleiterinnen und Schulleitern, die uns mit Ihrer Bereitschaft an der Befragung teilzunehmen ein großes Vertrauen entgegengebracht haben. Dieser Schatz an Erfahrungen und Kompetenzen ist ganz zentral, um Perspektiven, Strukturen und passgenaue Unterstützungsangebote zu entwickeln“, so Dr. Birgit Pikowsky, Direktorin des Pädagogischen Landesinstituts.

„Die Befragung untermauert nochmals in der Breite, was wir in den letzten Wochen bereits rückgemeldet bekamen und in großen Teilen auch schon angegangen sind und verändert haben. Die wichtigste Botschaft ist mir nicht neu, weil ich das bereits auf viel-fältigen Wegen erfahren habe, aber man muss es nochmal laut sagen: Unsere Schulen zeigen sich in dieser Ausnahmesituation – mit viel Kreativität und Engagement – von ihrer besten Seite. Deshalb ist es eines der schönsten Ergebnisse der Befragung, dass sich unsere Lehrkräfte wertgeschätzt fühlen. Das haben sie verdient. Ganz vieles gelingt, und wir arbeiten alle zusammen weiter an Verbesserungen. Den Herausforderungen, die noch vor uns liegen, stellen wir uns als Verantwortungsgemeinschaft von Land, Schulträgern, Lehrkräften, Eltern, den Schülerinnen und Schülern und auch allen anderen Beschäftigten, etwa der Haustechnik, die derzeit auch über das Maß gefordert sind“, so Hubig abschließend.

Die zentralen Ergebnisse der Befragung:

  1. Sehnsucht nach Schule: In den offenen Antworten der Schulleiterinnen und Schulleiter wird deutlich, wie sehr sich alle Beteiligten wieder eine Schule wünschen, in der das gemeinsame Lernen und Kontakte stattfinden. Der Fernunterricht kann den persönlichen Austausch im Präsenzunterricht nicht vollständig ersetzen.
  2. Entwicklungsschub für die Digitalisierung: Die Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit digitalen Werkzeugen und Medien zur Gestaltung des Unterrichts hat deutlich zugenommen. Über 77 % der Schulleitungen geben an, dass sie auch nach der Zeit der Schulschließung digitale Lehr-Lern-Formate verstärkt nutzen möchten. Gleichzeitig stellt die digitale Ausstattung für viele Schulleitungen ein großes Problem dar. Dabei wird nicht nur die unzureichende Ausstattung der eigenen Schule oder das Fehlen von Kommunikations- bzw. Lernplattformen beklagt. Auch die digitale Ausstattung der Schülerinnen und Schüler stellte im Fernunterricht immer wieder ein Problem dar. In diesen Feldern hat das Land bereits nachgesteuert: Mit einer kostenfrei nutzbaren Videokonferenzlösung für alle Schulen, den Handlungsempfehlungen des Pädagogischen Landesinstituts, dem Verleih digitaler Endgeräte gemeinsam mit den kommunalen Spitzen und mehr Bandbreite und Serverkapazitäten.
  3. Kontaktaufnahme mit Schülerinnen und Schülern: Eine Schwierigkeit besteht aus Sicht vieler Schulleitungen darin, dass in der Phase des Fernunterrichts nicht alle Schülerinnen und Schüler durchgängig erreicht werden konnten. Trotz intensiver Bemühungen scheiterte die Kontaktaufnahme aus unterschiedlichsten Gründen (E-Mails werden nicht zugestellt oder abgerufen; kein Interesse seitens der Familien, sprachliche Verständigungsprobleme, etc.). Die Ergebnisse schwanken zwischen den Schularten. Besonders an den berufsbildenden Schulen und Förderschulen stellt sich dieses Problem. Über alle Schularten hinweg gelingt es jedoch der Mehrheit der Schulen alle Schülerinnen und Schüler zu erreichen (Wert 3,2 auf einer Skala von 0= trifft nicht zu bis 4= trifft voll und ganz zu).
  4. Schnellere Kommunikationswege: Auch seitens des Ministeriums und der Schulaufsicht wünschten sich die Schulleitungen klare und zeitnahe Informationen. Besonders die Themen Hygienemaßnahmen und allgemeine Informationen zu den Schritten der Schulöffnungen standen bei den Schulleitungen zum Zeitpunkt der Befragung ganz oben auf der Liste. Allerdings wurde die Umfrage auch vor der Veröffentlichung des Hygieneplans und dem Fahrplan zur schrittweisen Öffnung abgeschlossen.
  5. Lehrkräfte erfahren mehr Wertschätzung und Verständnis: Die befragten Schulleitungen fühlen sich während der Schulschließungen im Mittel etwas stärker belastet als davor (Zunahme um einen Mittelwert von 0,38 Punkten, von 6,86 auf 7,24. Auf einer Skala von 0 = überhaupt nicht belastet bis 10 = stark belastet). Die Schulleitungen geben aber gleichzeitig an, dass ihnen in einem bis dahin nicht gekannten Maße, Wertschätzung und Verständnis entgegengebracht werden. Das professionelle Engagement vieler Lehrkräfte wird dankbar angenommen. Die Schulen bekommen in der Krise viel positives Feedback und Zustimmung vor allem – aber nicht nur – von den Eltern und von den Schülerinnen und Schülern. Die Wahrnehmung ist auch, dass die Schulgemeinschaft stärker zusammenrückt.

Die Studienergebnisse können in Gänze hier eingesehen werden:
https://schuleonline.bildung-rp.de/unterstuetzung-fuer-schulleitung-und-lehrkraefte.html