Hubig: „Vorfahrt für Präsenzunterricht“ – mehr Schülerinnen und Schüler, mehr Lehrkräfte im neuen Schuljahr

„Wir können das neue Schuljahr mit sehr viel Zuversicht beginnen – auch wenn die Corona-Pandemie noch nicht überwunden ist. Wir starten mit anderen, besseren Ausgangsvoraussetzungen als im Vorjahr“, sagte Bildungsministerin Dr. Stefanie Hubig heute in Mainz. Hubig weiter: „Nachdem das vergangene Jahr erheblich von den Folgen der Corona-Pandemie geprägt war, werden wir den Bedürfnissen von Kindern, Jugendlichen und ihren Familien jetzt ganz klar Priorität einräumen. Dazu gehört natürlich ein zuverlässiges Angebot von Präsenzunterricht.“

Der Schulstart im Präsenzbetrieb erfolgt entlang erprobter Hygienekonzepte, die ihre hohe Wirksamkeit im Vorjahr bewiesen haben. Das Testkonzept an den Schulen wird mit zwei Tests pro Woche weitergeführt. Außerdem gilt in den ersten beiden Schulwochen die Verpflichtung zum Tragen einer medizinischen Maske – nicht nur im Schulgebäude, sondern auch im Unterricht. Dazu kommt, dass die meisten Lehrkräfte doppelt geimpft sind, viele Eltern und Großeltern auch. Unter den 12- bis 17-jährigen ist bereits mehr als ein Viertel mindestens einmal geimpft. Für die Verbesserung der Raumlufthygiene stellt die Landesregierung den Städten, Landkreisen und Gemeinden jetzt das zweite Sofortprogramm über 12 Millionen Euro bereit, mit denen die Träger die Klassenzimmer entsprechend ausstatten können. Damit stehen insgesamt 18 Mio. Euro aus Landesmitteln für Maßnahmen der Verbesserung der Lüftungssituation zur Verfügung,

„Viele Kinder und Jugendliche haben unter den Schulschließungen gelitten. Nicht nur das gemeinsame Lernen, sondern auch der unmittelbare Austausch mit den Mitschülerinnen und Mitschülern und den Lehrkräften fehlte. Die Entscheidung für Schulschließungen haben wir uns deshalb nie leicht gemacht. Ich bin überzeugt davon, dass wir die Folgen der Pandemie gut auffangen werden und dafür sorgen, dass den Schülerinnen und Schülern keine Nachteile entstehen. Dazu haben wir ein millionenschweres Maßnahmenpaket auf den Weg gebracht, das unterschiedliche Förder- und Unterstützungsangebote bündelt und sinnvoll miteinander verknüpft. Ein besonderes Augenmerk legen wir dabei weiter auf die Schülerinnen und Schüler, die schwierigere Ausgangsvoraussetzungen haben. Auch diese Förderung muss vor Ort stattfinden können und deshalb muss der Präsenzunterricht jetzt Vorfahrt haben“, so Hubig.

Erstmals seit Jahren wieder mehr Schülerinnen und Schüler

Rund 39.500 Erstklässlerinnen und Erstklässlern starten im Schuljahr 2021/2022 ihre Schulkarriere[1]. Damit sind die Zahlen der Einschulungen im Vergleich zum Vorjahr erneut gestiegen. Rund 2.600 mehr Kinder als im vergangenen August kommen jetzt in die Schule (Vorjahr: 36.900 Einschulungen).

Während in den vergangenen Jahren die Gesamtzahl der Schülerinnen und Schüler stetig gesunken war, steigt sie an den allgemeinbildenden Schulen nun um rund 3.550 auf insgesamt 412.900 (Vorjahr: 409.330 Schülerinnen und Schüler). An den berufsbildenden Schulen sinken die Schülerzahlen, von 111.300 Schülerinnen und Schüler im letzten Schuljahr auf 109.000 in 2021/2022. Die Gesamtzahl aller Schülerinnen und Schüler an den allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen steigt damit erstmals seit dem Schuljahr 1990/1991. Zum neuen Schuljahr werden insgesamt 521.900 und damit rund 1.250 mehr Schülerinnen und Schüler eine rheinland-pfälzische Schule besuchen.

Deutlich mehr Einstellungen in den Schuldienst

„In den ersten Tagen ist es wichtig, dass die Schülerinnen und Schüler wieder an das gemeinsame Lernen herangeführt werden. Individuelle Bedarfe werden erfasst und Schülerinnen und Schüler gezielt gefördert. Dazu braucht es gut ausgebildete und motivierte Lehrkräfte – die haben wir in Rheinland-Pfalz“, sagte Hubig.

Zu den Mehreinstellungen aufgrund der bereits prognostizierten höheren Zahl an Schülerinnen und Schülern wurden im Haushalt 345 zusätzliche Stellen vorgesehen – etwa zur weiteren Verbesserung der Unterrichtsversorgung.

Rund 1.400 neue Lehrerinnen und Lehrer werden zum Schuljahresstart 2021/2022 in den rheinland-pfälzischen Schuldienst eingestellt., einschließlich der Stellenbesetzungen, die an den berufsbildenden Schulen traditionell erst zum 1. November 2020 erfolgen. Im Vorjahr wurden insgesamt 1.100 Stellen besetzt.

„Die Corona-Pandemie hat deutlich gemacht, dass keine technische Errungenschaft eine gut ausgebildete und motivierte Lehrkraft ersetzen kann. Wir setzen deshalb in Rheinland-Pfalz weiter selbst auf Ausbildung und Einstellung und können uns auf dem bundesweit angespannten Fachkräftemarkt wie bisher auch sehr gut behaupten“, so die Bildungsministerin.

284 neue Kolleginnen und Kollegen werden unmittelbar nach dem rheinland-pfälzischen Vorbereitungsdienst eingestellt. 411 der auf eine Planstelle eingestellten Lehrkräfte hatten unmittelbar zuvor einen Vertretungsvertrag in Rheinland-Pfalz.

Wie in den Vorjahren steht Rheinland-Pfalz dank seiner langfristigen Ausbildungs- und Einstellungspolitik trotz steigender Schülerzahlen sehr gut da. Auch in diesem Schuljahr können alle Planstellen mit grundständig ausgebildeten Lehrkräften besetzt werden. Der bundesweite Fachkräftebedarf an Lehrkräften macht sich aber vor allem in den Lehrämtern Grundschule und Förderschule bemerkbar. Im laufenden Einstellungsgeschäft zeigt sich, dass an Grundschulen voraussichtlich 35 Planstellen erst zum Start des zweiten Schulhalbjahres im Februar 2022 mit grundständig ausgebildeten Lehrkräften besetzt werden können. Bis dahin werden qualifizierte Vertretungslehrkräften eingesetzt. Am Ausbildungsmarkt für die besonders gefragten Grundschullehrkräfte zeichnet sich inzwischen eine sehr erfreuliche Trendwende ab. Die Initiativen der Landesregierung, mehr junge Menschen für den Lehrerberuf zu gewinnen, waren erfolgreich. Die Zahl derjenigen, die sich in Rheinland-Pfalz für ein Studium auf das Lehramt an Grundschulen entschieden, steigt. Die Einstellungssituation wird sich mit mehr erfolgreichen Absolventinnen und Absolventen an den Studienseminaren entspannen.

Zur nachhaltigen Bewältigung der Corona-Pandemie wurden in Rheinland-Pfalz 48Millionen Euro für den Abschluss befristeter Verträge an Schulen zur Verfügung gestellt, aus denen auch die Bedarfe im neuen Schuljahr abgedeckt werden können. Zur Förderung von Schülerinnen und Schülern an öffentlichen Schulen stehen im Rahmen des Corona-Aufholprogramms darüber hinaus jeweils 10 Millionen Euro für die Schuljahre 2021/2022 und 2022/2023 für zusätzliches Personal zur Verfügung. Alle am Projekt PES teilnehmenden Schulen sowie alle Grundschulen können von den Schulbudgets profitieren.  Die zusätzlichen Mittel können für Personal etwa zur Abdeckung von Ausfällen von Lehrkräften, für pandemiebedingt erhöhten Planungs- und Organisationsaufwand für Schulleitungen, für zusätzliche Aufsichten oder bei versetzten Pausenregelungen eingesetzt werden.

„Ganz herzlich bedanke ich mich bei allen an Schule Beteiligten, bei den Schülern und Schülerinnen, den Lehrkräften, Schulleitungen, den Eltern dafür, dass sie in der Pandemie zusammenstehen und dafür sorgen, dass die so wichtigen Bildungsangebote bestmöglich verwirklicht wurden und werden“, so Hubig.

Schulstart nach der Flutkatastrophe

„Durch die Flutkatastrophe ist furchtbares Leid entstanden. Auch am ersten Schultag sind wir in Gedanken bei allen Betroffenen“, sagte die Bildungsministerin.

Insgesamt haben landesweit rund 40 Schulen Schäden von der Flut davongetragen. Alleine im Ahrtal wurden 17 Schulen stark beschädigt, acht davon so stark, dass an den Standorten vorerst kein Schulbetrieb möglich ist. An den anderen 9 Schulen gibt es Lösungen am Schulstandort.

„Nach der verheerenden Katastrophe ist es in einer gemeinsamen Kraftanstrengung gelungen, dass zum ersten Schultag die Klassenverbände weitestgehend zusammenbleiben können und alle Schülerinnen und Schüler in die Schule gehen können - wenn auch leider nicht in allen Fällen in ihre alte Schule. Um die besonders betroffenen Schulen zu unterstützen und Schulleitungen und Kollegien zu entlasten, haben wir kurzfristig 21 zusätzliche Planstellen bereitgestellt“, erklärt die Ministerin.

Die psychische Belastung durch die Flutkatastrophe wird sehr ernst genommen. Deshalb stehen neben allgemeinen Angeboten zur psychologischen Betreuung vor Ort auch Schulpsychologinnen und -psychologen des Pädagogischen Landesinstituts bereit.

„Es ist wichtig, jetzt für die Schulgemeinschaften da zu sein. In den Ferien hat die Schulpsychologie deshalb Kontakt zu allen in besonderem Maße betroffenen Schulen aufgenommen und die individuellen Bedarfe abgefragt. Und zum Schulstart werden den Schulen selbstverständlich auch schulpsychologische Fachkräfte zur Seite gestellt, wenn sie einen entsprechenden Bedarf angemeldet haben. Etwa 20 Kolleginnen und Kollegen der Schulpsychologie in Rheinland-Pfalz sind vor Ort. Auch Hessen, Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein und das Saarland leisten Unterstützung, sodass vor Ort insgesamt rund 35 Kräfte für die Schulgemeinschaften im Einsatz sind. Dafür bedanke ich mich sehr herzlich.“

„Die Schule der Zukunft wird heute gestaltet“

„Trotz aller Herausforderungen, vor die uns das neue Schuljahr stellt, darf nicht untergehen, dass sich jenseits der Bewältigung der Pandemie und der Flutkatastrophe sehr viel in der rheinland-pfälzischen Bildungslandschaft tut: Der Ganztagsausbau schreitet weiter voran, es gibt neue Schwerpunktschulen, die die schulische Inklusion stärken. Auch bei den Themen Demokratiebildung und Nachhaltigkeit arbeiten wir zielgerichtet weiter. Außerdem sind die Fragen, wie wir in Zukunft lernen und lehren werden, thematische Schwerpunkte in der laufenden Legislatur. Gemeinsam mit Schulleitungen, Eltern, Schülerinnen und Schülern wurde bereits ein Veranstaltungsformat gestartet, um gemeinsam die Schule der Zukunft zu gestalten. Parallel werden die Rahmenbedingungen gestärkt – etwa durch den SchulcampusRLP oder im spannenden Projekt der digitalen dualen Berufsoberschule“, so Hubig anschließend.