Hubig: „Die Rahmenbedingungen stimmen, jetzt kommt es auf uns alle an“

"Die Wochen der Schulschließungen, die stufenweise Öffnung und die Vorbereitung der anstehenden Rückkehr unter Corona-Bedingungen waren außerordentliche Herausforderungen, die mit viel Engagement und Flexibilität gut gemeistert wurden. Schulleitungen und Lehrkräften haben gemeinsam mit den Eltern, Schülerinnen- und Schüler-Vertretungen, den Schulträgern, der Schulaufsicht, dem Pädagogischen Landesinstitut und vielen anderen angepackt und ihr Bestes gegeben, damit Bildung in der Krise gelingt. Der Lockdown hat aber nochmal sehr deutlich gezeigt: Kinder und Jugendliche brauchen mehr als die reine Vermittlung von Lernstoff via Tablet oder Tafel, sie brauchen vor allem das soziale Miteinander.

Deshalb gehen wir jetzt unter Beachtung von Hygienevorgaben den nächsten Schritt zu mehr Normalität, wir wollen trotz Corona möglichst viel Schule in der Schule ermöglichen. Damit das gelingt, müssen wir weiter die Hygieneregeln beachten – in der Schule, aber genauso in der Freizeit. Darum bitte ich Sie alle sehr herzlich. Die Nachlässigkeit und Unvernunft einiger Weniger, die die bestehenden Regeln missachten oder gar die Existenz des Virus leugnen, darf das Recht auf Bildung nicht gefährden. Wir müssen als Gesellschaft zusammenhalten, es kommt auf uns alle an“, sagte Bildungsministerin Dr. Stefanie Hubig vor dem Unterrichtsbeginn im Schuljahr 2020/2021 am kommenden Montag.

Mehr Einschulungen bei weiter sinkender Gesamt-Schülerzahl

37.100 Erstklässlerinnen und Erstklässlern starten im Schuljahr 2020/2021 ihre Schulkarriere . Damit verfestigt sich ein Trend: Erneut sind die Zahlen der Einschulungen gestiegen. Rund 1.450 mehr Kinder als im vergangenen August kommen jetzt in die Schule (Vorjahr: 35.655 Einschulungen).

„Herzlich Willkommen in der Schule“, begrüßt die Bildungsministerin die neuen Schülerinnen und Schüler. „Die Grundschulen haben die Einschulungsfeiern unter der Beachtung der Hygienevorgaben des Landes gut vorbereitet und werden den neuen ABC-Schützen einen schönen ersten Schultag bereiten.“

Während es mehr Einschulungen gibt, sinkt gleichzeitig die Gesamtzahl der Schülerinnen und Schüler im Vergleich zum Vorjahr um rund 1.550 auf insgesamt 521.100 (Vorjahr: 522.645 Schülerinnen und Schüler insgesamt). Am stärksten sinken die Schülerzahlen an den berufsbildenden Schulen, von 115.500 Schülerinnen und Schüler im Schuljahr 2019/2020 auf 113.600 in 2020/2021.

Einstellungen in den Schuldienst auf hohem Niveau

„Vieles ist anders in diesem Schuljahr unter Corona-Bedingungen, manches bleibt aber auch gleich: Rheinland-Pfalz setzt zum Schuljahresstart weiter auf die Einstellung neuer Lehrkräfte. So wird sichergestellt, dass gute schulische Bildung weiter gelingt – von der Grundschule bis in Beruf oder Studium“, so Hubig weiter.

Rund 1.000 neue Lehrerinnen und Lehrer werden zum Schuljahresstart 2020/2021 in den rheinland-pfälzischen Schuldienst eingestellt. Mit den Stellenbesetzungen, die an den berufsbildenden Schulen traditionell zum 1. November 2020 erfolgen, werden es dann insgesamt rund 1.100 Einstellungen sein. Damit kann sich Rheinland-Pfalz auf dem bundesweit angespannten Fachkräftemarkt weiter bestens behaupten.

Wie bereits in den Vorjahren können alle Planstellen an Gymnasien, Realschulen plus und den Integrierten Gesamtschulen mit voll ausgebildeten Lehrerinnen und Lehrern besetzt werden. Ebenso wie im Vorjahr bleiben lediglich an Grund- und Förderschulen zum Schuljahresstart zunächst wenige Stellen offen, die zunächst vertreten und dann schnellstmöglich nachbesetzt werden. An Grundschulen sind das sieben Planstellen, die zum Beginn des zweiten Halbjahres im Februar mit voll ausgebildeten Grundschullehrkräften nachbesetzt werden, ebenso werden acht Stellen an Förderschulen erst zum zweiten Schulhalbjahr besetzt.

Unterricht, der aufgrund von Elternzeiten oder Krankheit ausfällt, zu kompensieren, wächst die Personalreserve im sogenannten Vertretungspool auf 1.625 verbeamteten Lehrerinnen und Lehrer, die im Vertretungsfall landesweit eingesetzt werden können. Zusätzliche steigt die Zahl der sogenannten „Feuerwehrlehrkräfte“ im neuen Schuljahr um 40 zusätzliche Planstellen auf dann 228. Für Vertretungsbedarfe, die sich aus der Corona-Krise ergeben, hat die Landesregierung angekündigt, zusätzliche finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen.

„Dass wir uns trotz des bundesweiten Fachkräftemangels im Ländervergleich erneut so gut behaupten können, zeigt, dass es attraktiv ist, Lehrerin oder Lehrer in Rheinland-Pfalz zu werden, wo die Verbeamtung im Schuldienst weiter die Regel ist. Es zeigt auch, dass wir im Gegensatz zu manch anderem Land die Lehrkräfte kontinuierlich selbst ausgebildet haben, die wir jetzt brauchen – auch wenn die Corona-Krise natürlich Unwägbarkeiten mit sich bringt, die man erst in den nächsten Wochen und Monaten überschauen kann. Ich begrüße alle neuen Kolleginnen und Kollegen an unseren Schulen ganz herzlich“, so Bildungsministerin Hubig.

Neue Angebote, neue Ganztagsschulen, neue Chancen

Einen besonderen ersten Schultag erfahren die Mainzer Schülerinnen und Schüler, die nach der Grundschule jetzt in die 5. Klasse der neu gegründeten Integrierten Gesamtschule am Europakreisel kommen. Auf insgesamt 56 Integrierten Gesamtschulen landesweit können dann Schülerinnen und Schüler die Berufsreife, den qualifizierten Sekundarabschluss I oder die allgemeine Hochschulreife erreichen.

Neun zusätzliche Ganztagsschulen in Angebotsform starten in Rheinland-Pfalz. Weitere vier Grundschulen, eine Förderschule, zwei Realschulen plus, eine Integrierte Gesamtschule und ein Gymnasium bieten ab dem Schuljahr 2020/2021 den Ganztag an. Damit wächst das Ganztagsangebot und damit mehr Förderung und mehr Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Rheinland-Pfalz stetig weiter: Im Schuljahr 2020/2021 gibt es damit insgesamt 642 Ganztagsschulen (GTS) in Angebotsform. Dazu gehören 342 Grundschulen, 62 Förderschulen, 48 Integrierte Gesamtschulen, 47 Gymnasien mit neunjährigem Bildungsgang, 141 Realschulen plus und zwei Realschulen in privater Trägerschaft. Mittlerweile gibt es in jeder der 170 Verbandsgemeinden, verbandsfreien Gemeinden, großen kreisangehörigen Städte und kreisfreien Städte mindestens ein Ganztagsangebot im Grundschulbereich.

Ab diesem Schuljahr startet außerdem das neue attraktive Bildungsangebot der Informatik-Profil-Schule (IPS) mit dem Schwerpunkt Informatik ab Klasse 5 an landesweit 21 Schulen, zwei Integrierte Gesamtschulen, neun Realschulen plus und zehn Gymnasien. Die Konzeption des schulartübergreifenden Projektes ist bundesweit einzigartig.

Im neuen Schuljahr steigen auch die Pflegeschulen an den öffentlichen berufsbildenden Schulen in die generalistische Pflegeausbildung ein, um Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner auszubilden. Die neue generalistische Ausbildung führt die Altenpflege, die Krankenpflege und die Kinderkrankenpflege zu einem Berufsbild zusammen. Die zukünftigen Pflegefachkräfte lernen in der dreijährigen Ausbildung, Menschen aller Altersstufen, von der Kindheit bis ins hohe Alter zu pflegen. Sie qualifizieren sich für alle Einsatzbereiche der Pflege vom Krankenhaus, über das Seniorenheim und die Psychiatrie bis hin zum ambulanten Pflegedienst.