Expertenrunde zur Luftreinigung und Hygiene in Schulen sieht mobile Luftreinigungsanlagen kritisch/Gutes Lüften bleibt A und O

Im Hinblick auf die Wintermonate berät das Bildungsministerium gemeinsam mit Schulträgern, den Vertreterinnen und Vertretern der Schulfamilie sowie Gesundheitsexpertinnen und –experten die Präzisierung des bestehenden Lüftungskonzepts. „Die Schulen sind gut durch die ersten Wochen des Schuljahres gekommen, lediglich eine von rund 1.600 Schulen landesweit musste bisher aufgrund von Corona komplett für zwei Tage geschlossen werden“, sagte Bildungsministerin Stefanie Hubig.

Bei einer ersten Beratung des Bildungsministeriums in dieser Woche mit Wissenschaftlern unterschiedlicher Fachbereiche der Unimedizin Mainz, des Umweltbundesamts, des Instituts für Lehrergesundheit, der Unfallkasse RLP, des Gesundheitsministeriums, der ADD, Schulleitungen sowie Vertretern kommunaler Spitzenverbände zeigten sich die Experten skeptisch, dass ein flächendeckender Einsatz von mobilen Luftreinigungsanlagen geeignet sei, die Viruslast in Klassenzimmern verlässlich zu senken. Das regelmäßige Lüften, wie es bereits im Hygieneplan für Schulen enthalten ist, sei dagegen unerlässlich. 

Die ersten Wochen seit Schulbeginn werten die Experten als positiv. Bislang gäbe es keine Übertragungen in den Schulen. Das zeige, dass die Hygienevorschriften wirkten.

Von der Unimedizin Mainz waren vertreten Prof. Dr. Stephan Gehring und Dr. Wolfgang Kohnen, Prof. Dr. Bodo Plachter sowie Prof. Dr. Fred Zepp. Die Experten waren sich einig: „Wir wissen, Eltern sorgen sich, dass es in den Herbst- und Wintermonaten durch das Lüften zu kalt werden könnte. Aus Sicht der Hygiene ist aber ganz klar: Das Lüften ist unerlässlich, weil es die Aerosole in der Raumluft deutlich verringert. Bei mehrfachem kurzem Quer- oder Stoßlüften fällt die Raumtemperatur durchschnittlich um höchstens zwei bis drei Grad. Und: Die frische Luft tut den Schülerinnen und Schülern auch aus einem anderen Grund gut: Sie können sich viel besser konzentrieren.“

Dr.-Ing. Heinz-Jörn Moriske vom Umweltbundesamt betonte mit Blick auf die derzeit viel diskutierten Luftreinigungsanlagen: „Die Kommission Innenraumlufthygiene (IRK) des Bundesumweltamts kann den Einsatz von mobilen Luftreinigungsanlagen in Schulen derzeit nicht empfehlen. Der Einsatz der mobilen Geräte würde das Lüften nicht ersetzen, sondern bestenfalls flankieren. Zudem ist die Gefahr zu groß, dass die Anlagen, wenn sie nicht richtig genutzt und gewartet werden, den gegenteiligen Effekt haben und Viren verbreiten. Wir empfehlen stattdessen mehrfaches Lüften pro Schulstunde.“

„Das Infektionsgeschehen an Schulen zeigt: Neben der Handhygiene, Nies- und Hust-etikette und dem Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes auf dem Schulgelände kommt dem regelmäßigen Lüften entsprechend der Vorgaben im Hygieneplan für Schulen eine besonders wichtige Bedeutung zu“, sagte Hubig und betonte: „Die Zahl der Infektionen an Schulen hat sich in den letzten Tagen glücklicherweise stabilisiert. Das ist aber kein Grund zur Entwarnung, wir müssen weiter wachsam bleiben und uns an die Hygieneregeln halten – innerhalb und außerhalb der Schule.“

Im Anschluss an die Expertenrunde wird in einem zweiten Schritt in der kommenden Woche ein weiterer Austausch zur Umsetzung der Vorgaben zur Raumlufthygiene mit Vertreterinnen und Vertretern der Hauptpersonalräte, der Verbände und Gewerkschaften sowie Vertreterinnen und Vertretern des Landeselternbeirats und der Landesschüler*innenvertretung stattfinden. Auch hier werden die Kommunalen Spitzenverbände und die Gesundheitsexperten vertreten sein.